Se Bethels

Geschichte

Se BETHELS!
Hinter diesem heimatverbundenen Band-Namen verbarg sich die wohl bedeutendste und zugleich unbekannteste und am meisten unterschätzte Supergruppe der ostwestfälischen Musikgeschichte. Wird auch dem einen oder anderen Älteren unter uns vielleicht noch warm ums Herz bei der Nennung ihres Namens, so haben "Se Bethels" doch im öffentlichen Bewußtsein praktisch keine Spuren hinterlassen.
Doch das musikalische Werk der Bethels ist lebendig - heute mehr denn je!
Aber erinnern wir uns, wie alles begann: In den (ökonomisch und kulturell) engen Verhältnissen der fünfziger Jahre fanden vier junge Bielefelder in der Gaststätte "Bewekenhorn", der sie zeit ihrer Karriere eng ver­bunden blieben, im Bielefelder Westen zusammen. Dort konnte man sie an vielen Abenden am Tresen sitzen sehen. Dort entstanden viele ihrer Lieder und dort, vor sich das unvermeidliche Glas Herforder Pils, entstand auch ihr Ruf von den vier Pilsköp­fen. Hier entstanden die Kompositionen der Bethels, die in späteren Jahren scham­los ausgeschlachtet wurden, ohne die wahren Komponisten zu nennen. Hier ent­stand ihr vielleicht wichtigster Beitrag zur Geschichte der Rock- und Pop-Musik, die Gadderbaumer Rock-Oper "Ostwestfalen träu­men...", aus deren Fundus sich Gene­rationen sogenannter Stars freizügig bedient haben, ohne jemals auch nur den kleinsten Hinweis auf die eigentlichen Urheber zu geben: Bielefelds größte musikali­sche Söhne, Johannes, Paul, Schorsch und Richie (genannt Ringo) Bethel.
Vom Bewekenhorn aus zogen die vier jungen Bethels eine Spur quer durch die Tanzcafes und Lichtspielhäuser der jungen Republik, eine Spur frenetischen Beifalls, gebrochener Herzen und fanatischer Anhänger. Doch unglückliche, heute nicht mehr zu klärende Umstände, beendeten, noch vor dem allzufrühen Tod des Gitarristen Johannes Bethel, diese so vielversprechende Karriere, kurz vor der Veröffentlichung ihrer ersten Langspielplatte "Apfelstraße". Die bereits fertiggestellte Hülle dieser Platte - mit dem Bild der Bethels bei der Überquerung eines Zebrastreifens an der Apfel-, Ecke Sudbrackstraße - ist im übrigen heute in kleinen, aber exklusiven Sammlerkreisen eine unschätzbare Rarität geworden.

Aber wer, außerhalb dieser kleinen Kreise, erinnert sich noch an das bewegende Stück "Jahnplatz", welches mit Petula Clark als "Downtown" viele Jahre später zu Weltruhm gelangte? Ist es nicht eine der großen Ungerechtigkei­ten der Musikge­schichte, daß Musiker, Produzenten und Plattenfirmen seit Jahrzehnten mit Stücken wie "California Dreaming", "Bobby Brown", "Venus" und "Knocking on Heaven's Door" Millionen scheffeln, ohne den kleinsten Hinweis darauf, daß all diese Stücke der Gadderbaumer Rock-Oper der Bethels aus dem Jahre 1956 entnommen sind?
Die starken Wurzeln der Bethels in ihrer ostwestfälischen Heimat ließen Stücke wie "Süße Heimat Ostwestfalen", "Zeig mir den Weg ins Bewekenhorn" oder die melan­cholische Hymne "Oh, Biele­feld"entstehen, die später ebenfalls jedem Rock-Inter­essierten als "Sweet Home Alabama", "Alabama Song" und "Baltimore" bekannt wur­den. Dabei beschränkt sich diese tiefempfundene Heimatliebe keineswegs auf das Stadtgebiet Bielefelds, Bethels-Klassiker wie "Rheda Love" oder "Melle Woman" sprechen hier für sich.
Tragik der Geschichte ist dabei umso mehr, daß nicht nur der Erfolg stets an den Bethels selbst vorbeigegangen ist, der begnadete Rhythmus-Gitarrist Johannes ("John") Bethel so früh eines gewaltsamen Todes gestorben ist, darüber hinaus sind auch die übrigen Band-Mitglieder seit da­mals spurlos verschwunden. Niemand weiß, was aus Paul, Schorsch und Ringo Bethel geworden ist, ob sie noch leben, und - falls ja - wo, wie und vor allem wovon!
Unter dem Arbeitstitel "Auf den Spuren der Bethels" haben es sich nun drei enga­gierte Verehrer der "Original-Bethels" zur Aufgabe gemacht, die Welt im Nachhinein über die Bedeutung aufzuklä­ren, die "Se Bethels" für die Musikgeschichte der letz­ten vierzig Jahre, nicht nur für die Region Ostwestfalen, sondern für die gesamte Rock- und Pop-Musik, gehabt haben.
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